Margarete Bause, MdL
Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag diskutierte am 7.4.2008 mit dem Forum Bildungspolitik in Bayern. In den Mittelpunkt ihrer Ausführungen stellte Bause vier Projekte, die für die Grünen von zentraler Bedeutung seien:
Vier Projekte
- Mängelbeseitigung: Lehrermangel, Unterrichtsausfall, große Klasen, Lehrerbildung, G8, Ganztagsschulen flächendeckend (auch in der Grundschule). Die Grünen hätten vor 2 Jahren ein Bildungsinvestitionsprogramm auf der Basis der e.on-Erlöse entworfen. Dieses Geld sei mittlerweile anders ausgegeben.
- Öffnungsklausel für die Schulen vor Ort: Sie sollen ein passendes Konzept entwickeln können. Das Hearing der Grünen zur Regionalen Schulentwicklung vor einer Woche habe großen Zulauf und Zuspruch gehabt. Die inhaltliche Übereinstimmung mit dem Konzept der Regionalen Schulentwicklung des BLLV sei groß. Die Grünen seien darüber hinaus für eine Schule für alle mit einem vielfältigen Angebot und gegen eine Trennung der Zuständigkeiten von Kommunen und Land.
- Moderne Ganztagsschulen und modernes Lernen: Man könne nicht einfach die Halbtagsschule auf den Nachmittag ausdehnen, um eine Ganztagsschule zu erhalten. Ganztagsschulen seien auch nicht nur für lernschwache Schüler gedacht, sondern für alle. Es brauche eine Ganztagskultur mit einem anderen Verständnis von Lernen. Lehrerzentrierte Unterrichtformen müssten abgelöst werden.
- Bestmögliche Förderung statt Auslese: Die Auslese nach der Grundschule sei unmenschlich,
39 % der Kinder hätten Angst vor Schulversagen. In Bayern gebe es den höchsten Wert aller Bundesländer (nach Kinderbarometer). Die Grünen wollen eine längere gemeinsame Schulzeit bis zur Jgst. 9. Diese Diskussion habe auch in BY durch die Entwicklungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg einen Schub erhalten.
Weitere Aussagen von Bause aus der Diskussion
- Bildungsfinanzierung: aus den Zinsen der e.on-Erlöse hätten jährlich 800 Lehrer/innen bezahlt werden können. Es wurde leider anders ausgegeben. Derzeit verbessern sich die Steuereinnahmen deutlich (2,6 Mrd. zusätzlich). Wenn Bildung das Wichtigste ist, soll es auch zusätzliches Geld dafür geben.
- Lehrerbildung: die Grünen treten für eine gemeinsame pädagogische Ausbildung aller Lehrer/innen ein, um einen gemeinsamen pädagogischen Grundstock zu schaffen. Erst danach solle eine fachliche Ausbildung erfolgen. Auch bei den Entscheidungsmotiven für ein Lehramtsstudium trete dann die Pädagogik in den Vordergrund.
- Intensivierungsstunden: Die Schulen würden nicht mehr auf die Durchführung von Intensivierungsstunden in bestimmten Jahrgangsstufen festgelegt, d.h. es werde nur formal an den Intensivierungsstunden festgehalten. Die Mittel seien nicht ausreichend. Die Schüler/innen hätten keine Wahl.
- Schülermitwirkungsrechte müssten gestärkt werden. An BOS und GS müsse ein Schulforum erst noch eingerichtet werden.
- Befristete Arbeitsverhältnisse von Lehrer/innen: Es gebe keine langfristige Personalplanung für die Schulen, deshalb gebe es heute auch einen Lehrermangel.
- Förderschulen: Sie befänden sich außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung (3-gliedriges Schulsystem). Viele Kinder befänden sich zu Unrecht dort. Schüler mit Lernproblemen oder mit Down-Syndrom sollten besser in Regelschulen unterrichtet werden. Integration brauche aber eine bessere Ausstattung und Möglichkeiten zu spezieller Förderung
- Demokratie lernen: Schule wäre der richtige Platz dafür. Es müsste mehr Mitbestimmung möglich sein.
- G8: Die Stundenkürzungen werden den Leistungsdruck erhöhen. Bisher wurde alles Geld für die Mittagsbetreuung ausgegeben.
- Lehrerbelastung: Nicht alles an der Schule müsse von Lehrer/innen gemacht werden, z.B. Schulsozialarbeit oder Verwaltung. Lehrer könnten auch durch anderes Personal entlastet werden. Damit könnte auch der akute Lehrermangel reduziert werden.
- Vorschulzeit: Frühe Förderung sei notwendig, es gebe aber immer noch eine ideologische Diskussion um die Krippen. Eine Ergänzung der familialen Erziehung durch gute öffentliche Einrichtung sei für alle Kinder notwendig. Ein kostenfreies Kindergartenjahr wäre gut. Es sollte eigentlich das erste Kindergartenjahr sein, nicht das letzte.
- Killerspiele: Ein Verbot sei hilflos, damit seien sie nicht weg zu bekommen. Es müsse mit den Kindern darüber geredet werden, sie müssten sensibilisiert werden.
- Ganztags- / Halbtagsschule: Schule bräuchte mehr Zeit für alle Kinder. Phasen der Selbstbestimmung seien im Schulalltag notwendig. Im Programm der Grünen ist die freie Schulwahl vorgesehen.