| Betreuungsangebote |
Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche
Ausgangspunkt dieser Stellungnahme ist der gestiegene Bedarf an ganztägiger Betreuung von Kindern und Jugendlichen, der sich aus den mittlerweile vielfach beschriebenen und diskutierten Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Sozialisation von jungen Menschen ergibt.
Die Angebote ganztägiger Betreuung von Kindern und Jugendlichen
müssen ausgebaut werden,
Die Verantwortung und Sorge für die Erziehung und Betreuung
der Kinder ist vorrangig eine Aufgabe der Eltern. Eltern aber brauchen
familienunterstützende Hilfen. Eltern wollen, dass die Politiker sich
für kinderfreundliche Einrichtungen einsetzen.
Betreuungsangebote für Kinder sind Mangelware. Der Bedarf ist erheblich
höher als das Angebot. Was in anderen europäischen Ländern
längst selbstverständlich ist, muss bei uns erst mühsam
erkämpft werden.
Es stimmt: In Bayern sind inzwischen Modelle auf den Weg gebracht worden,
die den neuen Erfordernissen zu entsprechen versuchen, wie z. B. ‘Das Netz
für Kinder’, Kindertageseinrichtungen, der Hort an der Schule, Mittagsbetreuung,
in einigen Städten Schulen mit Tagesheimen.
Aber: Alle diese Einrichtungen reichen bei weitem nicht aus und laufen in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation Gefahr, als ‘Billiglösungen’ missbraucht zu werden. Dies trifft zu, wenn Eltern zum Ersatz für qualifiziertes pädagogisches Personal herangezogen werden.
Die Ausstattung mit pädagogischem Personal ist in vielen Fällen
nicht befriedigend gewährleistet. Auch sind ‘pädagogische Lippenbekenntnisse’
wenig hilfreich, wie im Falle der Empfehlungen des bayerischen Kultusministeriums
zur Zusammenarbeit zwischen Hort und Schule, deren Umsetzung an der veränderten
Schulwirklichkeit und an unzureichender personeller und finanzieller Ausstattung
der Schulen und Horte scheitern muss.
Welche Angebote gibt es überhaupt?
1. Angebote außerhalb der Schule:
Kinderkrippen, Kindergärten, Kinderhorte, Kindertagesstätten,
Kindertageseinrichtungen, Eltern-Kind-Initiativen, Netz für Kinder,
Jugendfreizeitstätten, Schülercafes, Schülertreffs.
2. Angebote in der Schule:
Tagesheimschulen bzw. Schulen mit Tagesheim, Hort an der Schule,
Mittagsbetreuung an Volksschulen, ganztägige Betreuung an weiterführenden
Schulen in verschiedenen Trägerschaften, Ganztagsschulen.
Forderungen:
Der Wunsch nach heilen Familienverhältnissen darf den Blick für
die Alltagsrealität unserer Schulkinder und Jugendlichen und ihrer
Familien nicht verschleiern. Andere Lebensformen, veränderte Lebenswelten,
neue Lebensperspektiven verlangen nach zusätzlichen Angeboten zur
außerfamiliären und familienergänzenden Erziehung, Bildung
und Betreuung. Solche ganztägigen Angebote dürfen nicht auf „Notsituationen“
beschränkt bleiben.
Das Forum Bildungspolitik in Bayern fordert deshalb:
Konsequenzen
Der quantitativ und qualitativ dringend notwendige Ausbau von Betreuungsangeboten ist ohne finanzpolitische Anstrengungen nicht denkbar.
Die Zukunft unserer Kinder darf nicht durch Billiglösungen aufs Spiel gesetzt werden. Hier gilt es den Schutz der Kinder als höchstes Gut über ideologische Grenzen hinweg zu fördern - und das kostet Geld.
Lösungsmöglichkeiten sind daneben auch im Bereich des Einsatzes
arbeitsmarktpolitischer, steuerpolitischer und familienpolitischer Instrumente
zu suchen, die geeignet sind, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
die Unterstützung und Entlastung der Familien und eine Verbesserung
der Rahmenbedingungen der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen zu
ermöglichen und zu fördern.
Januar 1995
|
|
|
|
|
|
|
|