Logo-Kreis Gymnasium: Reform der Oberstufe
 

Petition an den Bayerischen Landtag vom 23.5.2003
 

Elf Leitsätze zur Weiterentwicklung der gymnasialen Oberstufe




Wie alle anderen Schularten, so muss sich auch das Gymnasium den Erfordernissen der Neuen Schulentwicklung und den Erkenntnissen der nicht zuletzt durch PISA 2000 angestoßenen Bildungsdiskussion stellen. Das Forum Bildungspolitik in Bayern begrüßt deshalb die Bestrebungen, die gymnasiale Oberstufe weiterzuentwickeln. Es fordert dazu die Beachtung folgender Leitsätze:

  1. Das Gymnasium (und in ihm die gymnasiale Oberstufe) hat primär den Auftrag, auf das Studium vorzubereiten. Das bedeutet konkret:
  1. Das Gymnasium dient der vertieften Allgemeinbildung und erteilt in eigener Verantwortung die allgemeine Studienberechtigung („Verleihung der Allgemeinen Studierfähigkeit/Hochschulreife“ als Übertrittsberechtigung). Die generelle Verleihung der Studierfähigkeit durch das Gymnasium darf nicht durch hochschulschuleigene Auswahlverfahren abgewertet werden. Dessen unbeschadet hat die Hochschule das Recht, weitere Studierende zuzulassen.

  2. Das Gymnasien ist verpflichtet, die Studienanforderungen der Hochschule in seiner Erziehungs- und Unterrichtsarbeit soweit zu berücksichtigen, wie dies mit seinem eigenen Bildungskonzept bzw. Profil vereinbar ist. Dabei muss jede Reform eine Balance von Freiheit und Verbindlichkeit zum Ziel haben. Dies erfordert einen vom Gymnasium unter Anhörung der Hochschule festzulegenden verbindlichen Fächer-, Lernziel- und Lerninhaltskanon einerseits und einen individuell festzulegenden Wahlpflichtbereich andererseits.

  3. Dessen unbeschadet ist die Hochschule grundsätzlich verpflichtet, die Abiturient/innen dort abzuholen, wo sie am Ende des Gymnasiums stehen.
  1. Neben der grundsätzlichen Orientierung auf die Hochschule muss das Gymnasium auch jenen Schüler/innen gerecht werden, die sich entschlossen haben, höher qualifizierte nichtuniversitäre Ausbildungsgänge einzuschlagen.

  2. Das bisherige bayerische Abiturmodell als eine Kombination von zentraler Aufgabenstellung und schuleigener Korrektur/Bewertung muss aus Sicht des Forum Bildungspolitik in Bayern beibehalten werden.

  3. Die gymnasiale Oberstufe muss grundsätzlich die Schulfächer als Grundlage haben. Um einer Versäulung der Fächer entgegenzuwirken und spezielle Lernformen zu erproben muss ein unter Berücksichtigung der Anforderungen der Universität bzw. der Wirtschaft an jeder Schule frei gestaltetes selbstständiges Seminarfach neu hinzukommen. Es wird von zwei Schulfächern gemeinsam entworfen und verantwortet; es ist obligatorisches Abiturfach mit einer zu präsentierenden Seminararbeit.

  4. Alle Fächer der gymnasialen Oberstufe müssen sich neuen Bewertungs- und Lernformen mit vielfältigen Methoden- und Lernkompetenzen öffnen.

  5. Jede Oberstufenreform muss so gestaltet sein, dass auch an kleinen Gymnasien ein Kursangebot vorhanden ist, das in seiner Attraktivität dem großer Gymnasien nicht nachsteht.

  6. Jede Oberstufenreform muss so angelegt sein, dass im Rahmen des neunjährigen Gymnasiums zwischen dem mittleren Bildungsabschluss und dem Abitur nicht weniger als drei Schuljahre liegen.

  7. Im Zuge einer Oberstufenreform sollte der Übergang zwischen Klassen- und Kursphase fließender und damit effizienter gestaltet werden. Dazu bietet sich in der 11. Jahrgangsstufe eine Mischform von Klassen- und Kursunterricht an.

  8. Jede Oberstufenreform muss die Unterscheidung von vertieften und nicht vertieften Fächern beibehalten und hinreichende Differenzierung und individuelle Schwerpunktbildung ermöglichen.

  9. Eine gymnasiale Oberstufenreform sollte eine partielle Öffnung des Gymnasiums zur außerschulischen Umwelt, zu Wirtschaft und Universität vorsehen, um den Lebensweltbezug gymnasialer Ausbildung sicherzustellen. Zu denken ist an Betriebserkundungen, Auslandsaufenthalte, Praktika, Hospitationen - evtl. mit jeweils in der unterrichtsfreien Zeit einzubringendem Stundenkontingent.

  10. Eine Oberstufenreform muss nach Auffassung des Forum Bildungspolitik in Bayern davon bestimmt sein, dass das Gymnasium von der 5. bis zur 13. Jahrgangsstufe als Einheit zu sehen ist; sie muss deshalb von einer Mittelstufenreform flankiert werden.

Beschluss des Forum Bildungspolitik in Bayern vom 5.4.2003




Bayern Kultusministerin Monika Hohlmeier teilte dem Forum Bildungspolitik zu dieser Petition mit, dass die formulierten Leitsätze in der Tendenz den eingeschlagenen Weg der von der Staatsregierung eingerichteten "Bildungskommission Gymnasium" bestätigten und bestärkten. Sie hat die Petition Kommission zugeleitet.

Der Bayerische Landtag hat die Petition am 13.11.03 im Bildungsausschuss beraten. Alle drei Fraktionen würdigten die Ziele der Petition positiv. Die CSU-Mehrheit beschloss, die Petition an die Bayer. Staatsregierung als "Material" weiterzureichen. SPD und Bündnis 90/Die Grünen stimmten für ihre Annahme.

 

Forum Bildungspolitik in Bayern

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